BK sollte Mitarbeiter nicht im Regen stehen lassen!

Burger King

Am Mittwoch, den 19. November 2014 verkündet Burger King Europe unter anderen in einer schriftlichen Pressemitteilung, dass die Franchiseverträge mit der Yi-Ko Holding mit sofortiger Wirkung gekündigt werden.

Wie konnte es soweit kommen?

Am 28. April 2014 enthüllte das Team Wallraff in der RTL Reportage „Team Wallraff: Reporter Undercover“ gravierende hygienische sowie arbeitsrechtliche Mängel bei den von der Yi-Ko Holding betriebenen Burger King Restaurants. So wurden in einzelnen Filialen u. a. Lebensmittel umetikettiert, um das Haltbarkeitsdatum künstlich zu verlängern, Mitarbeiter als menschliche Müllpressen missbraucht, Mitarbeiter unter Druck gesetzt und Überstunden nicht gezahlt.

Nachdem diese Missstände an Burger King getragen wurde, versprach laut der RTL-Reportage der Vice President und General Manager von Burger King Europe, Andreas Bork, dass diese Missstände unverzüglich angegangen und abgestellt werden. Dafür stellte Burger King laut der Pressemitteilung erfahrenes Führungspersonal zur Verfügung. Trotz anfänglicher Erfolge musste Burger King allerdings feststellen, dass die Yi-Ko Holding erneut gegen getroffene Vereinbarungen verstoßen hat. Dies kam unter anderen durch die erneute Überprüfung verschiedener Filialen durch das Team Wallraff an die Öffentlichkeit. Die Reportage wurde heute (24.11.2014), um 22:15 Uhr durch RTL ausgestrahlt und anschließend die aktuelle Situation der Mitarbeiter in RTL Extra (23:00 Uhr) beschrieben.

Am Freitag kam es schließlich zu einem gerichtlichen Entscheid, der der Ki-Yo Holding die Fortführung der Filialen unter der Marke Burger King per einstweiliger Verfügung verbot. Dementsprechend muss Ki-Yo seine Filialen nach Zugang dieses Bescheids schließen. Ihnen bleibt nun nur noch die gerichtliche Anfechtung dieser Verfügung.

Situation der Mitarbeiter

Laut der RTL Extra Reportage wurden die letzten Filialen heute Abend (25. November 2014) geschlossen. Das bedeutet, dass ca. 3000 Arbeitsplätze bedroht sind. Viele Mitarbeiter wussten das ganze Wochenende nicht, ob sie weiterhin beschäftigt werden. Sie hatten die ganze Woche lang gehofft, dass es zu einer Lösung kommt und ihre Arbeitsplätze gesichert werden. Die Gewerkschaft für das Nahrungsmittelgewerbe riet den Betroffenen eindringlich keine Aufhebungsverträge zu unterschreiben und ihre Bereitschaft zum Weiterarbeiten schriftlich an ihren Arbeitgeber zu erklären.

Einer der Geschäftsführer, Ergün Yildiz, inszenierte laut RTL Extra eine Demonstration für den Erhalt der Burger King Filialen. Hier stellte er sich als gemäß der Reportage als mitfühlend dar und äußerte, dass es ihm nur um die Weiterbeschäftigung seiner Mitarbeiter geht. Dass es sich tatsächlich um eine Inszenierung handelte bestätigte ein Mitarbeiter im Gespräch mit RTL. Diese wurden aufgefordert, an der Demonstration teilzunehmen.

Burger King zieht einen Schlussstrich – richtig oder falsch?

Sicherlich ist es verständlich, dass Burger King aufgrund der aktuellen Situation einen Schlussstrich zieht und den Franchisevertrag fristlos kündigt. Trotzdem dürfen sie sich meines Erachtens nicht der Verantwortung für die Mitarbeiter entziehen. Warum? Viele der Filialen gehörten gemäß der RTL Reportage vorher zur Burger King und wurden erst im Jahr 2013 an den Franchisenehmer outgesourced. Das bedeutet aber auch, dass sicherlich viele der Beschäftigten vorher Burger King Mitarbeiter gewesen sind und sozusagen unfreiwillig zur Yi-Ko Holding wechseln mussten, wenn sie ihre Arbeitsverträge behalten wollten. Es scheint somit, dass Burger King die betroffenen Filialen ausgegliedert hat, um Geld zu sparen. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden, doch hätte man vorher prüfen müssen, inwieweit der potentielle Bewerber für die Übernahme geeignet erscheint. Selbst wenn es zum damaligen Zeitpunkt keine Anhaltspunkte gegeben haben sollte, die einen Vertragsabschluss widersprochen hätte, muss sich Burger King seiner sozialen Verantwortung stellen und alles mögliche tun, damit die Mitarbeiter auch weiterhin beschäftigt werden. Andreas Bork, General Manager von Burger King Europe, betonte auch bei Wallraf, dass jegliche Anstrengungen übernommen werden, damit die Situation für die Mitarbeiter positiv ausgeht. Ob sich Burger King tatsächlich dieser Verantwortung stellt werden die weiteren Wochen zeigen.

War die Reportage richtig?

Sicherlich gibt es Kritik, dass erst die Reportage durch Wallraff zur Schließung der durch die Yi-Ko Holding geführten Burger King Filialen geführt hat und somit die Verantwortung für die unsichere Situation der ca. 3000 Mitarbeiter übernehmen müsste. Aber nur weil RTL die Missstände aufdeckte, sind sie meiner Ansicht nach nicht für die damit verbundene Situation der Mitarbeiter zur Verantwortung zu ziehen. Die betroffenen Mitarbeiter mussten laut der Reportage unter teils unwürdigen Bedingungen arbeiten und darüber hinaus wurden die Hygienebestimmungen nicht eingehalten und somit gesundheitliche Gefahren für die Gäste in Kauf genommen. Hierfür ist nicht RTL verantwortlich, sondern die Yi-Ko Holding. Spätestens nach Aufdeckung des Skandals, hätten sich die Bedingungen für die Mitarbeiter verbessern müssen und solche Vorfälle nicht mehr auftreten dürfen. Dass es trotzdem zu weiteren Vorfällen kam und RTL Burger King damit konfrontierte, ist nur die logische Konsequenz. RTL zur Verantwortung zu ziehen und den „schwarzen Peter“ zuzuschieben ist somit ausgeschlossen. Vielmehr sollten sich Burger King und die Yi-Ko Holding an einen Tisch setzen und schnellstmöglich zu einer Lösung kommen, die Arbeitsplätze der 3000 Mitarbeiter sichert.

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